Die Templer - Templerwege

Der Weg der Wahrheit

Wo ein Werk gemäß der den Göttern und Menschen gemeinsamen Vernunft ausführbar ist, da kann nichts schrecklich sein.
Denn wo es möglich ist, vermittelst einer gemäß unserer Natureinrichtung glücklich fortschreitenden Tätigkeit einen Vorteil zu erreichen, da hat man keinen Nachteil zu befürchten.

Überall und jederzeit steht es bei dir, mit deiner gegenwärtigen Lage religiöse Zufriedenheit zu beweisen, gegen deine Zeitgenossen dich mit Gerechtigkeit zu betragen und deiner augenblicklichen Gedankenfolge eine sorgfältige Aufmerksamkeit zu widmen, damit sich nicht etwas Unbegreifliches einschleiche.

Sieh dich nicht nach den leitenden Grundsätzen anderer um, sondern schaue vielmehr unverwandten Blickes auf das Ziel, worauf die Natur dich hinführt, sowohl die Allnatur durch deine Begegnisse, als deine eigene durch deine Obliegenheiten. Jeder hat zu leisten, was eine Folge seiner Natureinrichtung ist. Nun sind aber die übrigen Wesen der vernünftigen halber hervorgebracht, sowie überhaupt das Unedlere um des Edleren; die Vernunftwesen aber sind eines um des anderen willen da. In der Einrichtung des Menschen ist das erste sein Trieb zur Geselligkeit, das zweite aber seine Überlegenheit gegenüber sinnlichen Reizungen. Denn der vernünftigen und verständigen Tätigkeitskraft ist es eigen, sich selbst zu beschränken und weder den Anforderungen der Sinne noch der Triebe je zu unterliegen. Beide sind ja tierisch. Die Vernunftskraft aber will den Vorrang haben und sich nicht von jenen meistern lassen, und das mit Recht; denn dazu ist sie von Natur da, sich jener überall zu ihren Zwecken zu bedienen. Der dritte Vorzug in der Natureinrichtung eines vernünftigen Wesens besteht darin, nicht blindlings beizupflichten, noch sich täuschen zu lassen. Mit den Vorzügen nun ausgestattet, wandle die gebietende Vernunft ihren geraden Weg, und sie hat was ihr gebührt.
Liebe das was dir begegnet und zugemessen ist; denn was könnte dir angemessener sein?

Die Allnatur fühlte den Drang zur Weltschöpfung. Nun aber geschieht alles, was geschieht, nach dem Gesetz der notwendigen Folge, oder es ist auch das wichtigste, dessen Verwirklichung die weltbeherrschende Vernunft eigens anstrebt, ohne Grund vorhanden.
Jedem ist zuträglich, was jedem die Allnatur zuträgt, und gerade dann zuträglich, wenn sie es zuträgt. Untersuche woher jedes Ding seinen Ursprung habe und aus welchen Stoffen es bestehe und in welche Form es sich umwandle, wozu es durch Umwandlung werde und dass ihm damit kein Übel widerfahre. Sie zu, von welcher Beschaffenheit die Dinge in der Welt seien, und unterscheide an ihnen Stoffe, wirkende Kraft und Zweck.
Was für ein lächerlicher Fremdling in der Welt ist der, welcher über irgendein Ereignis in seinem Leben erstaunt!
Entweder herrscht ein unabänderlich notwendiges Schicksal und eine unverletzbare Ordnung der Dinge oder eine versöhnliche Vorsehung oder ein verworrenes, herrenloses Ungefähr. Herrscht nun eine unverletzbare Notwendigkeit, warum sträubst du dich dawider? Herrscht aber eine Vorsehung, welche sich versöhnen lässt, so mache dich des göttlichen Beistandes würdig. Herrscht endlich ein leitungsloses Gewirre, so erfreue dich an dem Gedanken, dass du mitten in solch einem Wogensturm in dir selbst an der Vernunft eine Lenkerin habest. Und wenn dich auch die Strömung ergreift, so mag sie das bisschen Fleisch und Lebensgeist und alles andere mit sich fortreißen, kann sie ja doch die Vernunft nicht fortreißen.

Das Licht einer Lampe scheint, bis man es auslöscht; nicht eher verliert es seinen Schimmer; sollte in dir etwa die Wahrheit und Gerechtigkeit und Besonnenheit früher erlöschen?

Marc Aurel

 

 

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